deutsch-französischer Wettbewerb zum Mauerfall 1989
Ausgabe Beiträge Teilnehmer
Berlin 1977 und 2009
Mit dem durch die Mauer geteilten Berlin und ihrer späteren Öffnung verbinden meine Frau und ich viele Erinnerungen, insbesondere mit den Jahren 1977 und 78. Wir hatten uns 1976 auf einer Urlaubsreise in der damaligen Sowjetunion kennen gelernt. Unsere Verbindung war danach schwierig aufrecht zu erhalten, da meine Frau Französin war und ich in der damaligen DDR lebte.
Durch das deutsch-französische Jugendwerk ergab sich dann 1977 für sie die Möglichkeit, in Berlin (West) eine Anstellung als Lehrerin zu bekommen, während ich zur gleichen Zeit als Assistenzarzt an der Rostocker Universitätsklinik arbeitete. Viele Wochenenden verbrachten wir in dieser Zeit im Ostteil der Stadt. Der Aufenthalt für Einreisende vom Westteil der Stadt
war auf vierundzwanzig Stunden begrenzt, und diese Frist lief jeweils um Mitternacht ab.
Wie viele andere Personen auch kehrte meine Frau am Samstagabend kurz vor Mitternacht in den Westteil der Stadt zurück, um wenige Minuten später, am Sonntag also, mit einer neuen Genehmigung wieder in den Ostteil einzureisen! Das war natürlich sehr aufwendig und bei dem gro[<β>]en Menschenauflauf auch sehr nervenaufreibend! Mir selbst wurde natürlich die Einreise in den Westteil verwehrt, obwohl ein Teil meiner nächsten Verwandtschaft dort wohnhaft war.
Nach einem missglückten Fluchtversuch am Grenzübergang Heinrich-Heine-Strasse, im Oktober 1979, wurde ich in das Stasigefängnis Hohenschönhausen eingeliefert.
Schlie[<β>]lich konnte ich im März 1981 die DDR aufgrund einer Initiative des damaligen französischen Staatspräsidenten Valérie Giscard D’Estaing verlassen, nachdem meine spätere Frau ihm einige Monate zuvor in Bonn bei einem Treffen mit französischen Jugendlichen eine Petition übergeben konnte. Seit 1981 sind wir verheiratet, haben 3 Kinder und sind, nachdem wir fast 20 Jahre in der Nähe von Bremen wohnhaft waren, seit 1999 in den französischen Ardennen sesshaft geworden.
Vor diesem Hintergrund haben wir natürlich die Ereignisse, die zum Fall der Mauer in Berlin geführt haben, mit Spannung und großer Begeisterung verfolgt! In besonderer Erinnerung bleiben mir die zahlreichen Telefonanrufe unserer Verwandten und Freunde aus Frankreich an den Tagen nach der Maueröffnung - ein Beweis der großen Anteilnahme. Im Gegensatz dazu
habe ich bei einem Teil meiner ehemaligen Arbeitskollegen in Bremen eher verhaltene Skepsis angetroffen!
Im Juli dieses Jahres habe ich nach vielen Jahren wieder Berlin besucht und mit meinem Sohn David Spurensuche betrieben. Meine Frau konnte uns leider nicht begleiten.
Es war sehr bewegend zu sehen, wie sich die Stadt nach dem Verschwinden der Mauer verändert hat. Hätte man aber nicht an einigen Stellen Teile der Mauer stehen lassen sollen,
als mit den Händen greifende, mahnende Erinnerung für künftige Generationen und gegen das unweigerlich kommende Vergessen oder Verharmlosen?
Für meinen Sohn jedenfalls war die Existenz einer unüberwindlichen Mauer mitten in Berlin schlicht nicht vorstellbar. Wann irgend möglich möchte ich gemeinsam mit meiner Frau die Spurensuche fortsetzen.
Foto: Jan-Henrik Wiebe, jugendfotos.de
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